Published by thomas at Wed, 2008-May-28
in usa.
Je nach Verkehr brauche ich maximal eine halbe Stunde von meiner Wohnung bis zu Siemens. Die Strecke bin ich vorgestern schon einmal abgefahren, daher gab es heute morgen keine Probleme alles zu finden. Es gibt hier übrigens nicht nur ein Standort von Siemens, sondern überall hier in der Gegend gibt es mal wieder ein Gebäude wo irgendeine Abteilung drin sitzt.
Direkt im Eingangsbereich meines Gebäudes gibt es einen Empfang, wo ich mich kurz vorgestellt habe und dann hat Karen auch schon eine andere Sekretärin herbeitelefoniert, die mich dann erstmal zum Büro des RMs gebracht hat. Paramesh, so sein Rufname, hat mich nach dem anfänglichen Smalltalk über Reise usw. dann noch gefragt was ich denn so kann. Das hat mich dann doch etwas erstaunt, da ich schon mehrfach eine Liste mit meinen skills rübergemailt hatte. Aber so wie es aussieht konnte ich meine zukünftige Tätigkeit noch in die richtige Richtung beeinflussen: Es gibt da wohl einen Kollegen, der an einem Web-Portal arbeitet und total überarbeitet ist. Allerdings arbeitet der von Daheim, so dass es jetzt wohl erstmal noch ne Weile dauert bis er kommt - wenn er denn erreichbar ist.
In der Zwischenzeit kümmert sich Paramesh, die Sekretärin und ich mich um meinen PC. Da der IT-Mensch diese Woche nicht da ist, wird es heute do-it-yourself-IT. Nachdem mir beide meinen zukünftigen Cubicle gezeigt haben und wir den ganzen stuff vom Vorgänger weggeräumt haben kann ich meinen Rechner anschließen und loslegen - nur womit? Da ich hier den gleichen Login wie bei Siemens in Karlsruhe benutze, dauert das Anmelden über 10 Minuten, dafür aber hab ich jetzt kompletten Zugriff auf meine Emails und alle Laufwerke wie als wenn ich in Karlsruhe säße. Wow, that’s globalization! Am Eingang lass ich mir noch meinen deutschen Siemens-Ausweis kodieren, dabei fragt mich die Sekretärin welche Rechte ich denn brauche: Ich lass’ mir einfach mal maximale Rechte geben 
Alle hier sind wirklich total freundlich und hilfsbereit. Mit der Verständigung habe ich auch immer weniger Probleme. Als ich am Flughafen angekommen bin empfand ich es teilweise schwieriger den Südstaaten-Slang zu verstehen. Kann natürlich sein es täuscht, aber ich finde man gewohnt sich wirklich sehr schnell an die Sprache. Bisher hatte ich ja zum Glück auch nur mit americans zu tun.
Zum Mittag, also die Pause zwischen dem Surfen im Internet, bin ich durch den Drive Thru bei Wendys gefahren und hab mir dort meinen erstes BFC (burger, fries, coke) geholt. Teilweise fehlte zwar etwas Salz, aber im Großen und Ganzen kein Vergleich zu dem Müll von McDonalds. Gegessen hab’ ich auf dem Parkplatz im Auto und dabei den Motor mal bewusst laufen lassen, wegen der Klimaanlage. Allerdings gehört das ja auch irgendwie zum american way of life, den ich im Übrigen schon sehr mag 
Nach diesem wirklich stressigen Arbeitstag
war ich dann Abends mit Charlie noch beim fishing. Gefangen haben wir zwar nichts, war aber trotzdem super. Bei solchen Gelegenheiten bekomm’ ich nämlich auch immer ne Menge nebenher erklärt. Heute war ich erstaunt, dass es selbst hier noch bärensichere Müllbehälter gibt, demnach gibts hier auch Bären. Außerdem haben wir fireflies und einen heron gesehen. Schön wars!
Published by thomas at Tue, 2008-May-27
in usa.
Ganz unerwartet bin ich gestern noch zu einem Baseballspiel gekommen. Charlie hat mich gefragt ob ich Baseball mag… Da gestern gerade noch ein großes Memorial Day-Spiel war, sind wir spontan in Charlie’s Truck hingefahren. Da wir beide vorher noch beim Kaffee trinken waren, wurden die beiden großen coffee mugs ganz selbstverständlich mit ins Auto genommen - in dem Schiff ist ja auch Platz ohne Ende. Da stört kein Schalthebel, hier hat ja jede Kiste Automatik. Beim Fahren dann hängt sich Charlie gern mal mit dem Oberkörper aufs Lenkrad..





Beim Stadion angekommen winken einem überall Farbige zu, dass man deren kostenpflichtigen Parkplatz anfährt. Bevor wir ins Stadion gehen, brauchen wir unbedingt noch etwas zu Essen. In einer etwas heruntergekommen Barbecuebude holen wir uns dann noch ein BBQ-Sandwich + je 2 Flaschen eiskaltes Wasser. Charlie bestellt, ich lass mich überaschen. An einem weiteren Stand holt sich Charlie dann noch diverse Nüsse in Tüten. Dabei weist ihn der Verkäufer darauf hin, dass er aus Sicherheitsgründen seinen ice cooler, die kleine tragebare Thermobox die er dabei hat, nicht mit ins Stadion nehmen kann. Also wird das Teil grad beim Händler deponiert. Als wir dann an der Kasse anstehen, soll ich mal von den Nüssen probieren. Das eine sind sehr große Sonnenblumenkerne, gesalzen. Da man da jeden einzelnen Kern aufbeißen muss, um dann minimal Geschmack zu bekommen, leg ich für mich fest, dass mir das zu mühsam ist. Die Schalen werden dann übrigens auch wieder ganz selbstverständlich einfach ausgespuckt. Die anderen Nüsse sind normal Erdnüsse, deren Schalen dann auch im Stadion überall einfach zu Boden wandern, gemischt mit verkleckerten Getränken sieht dass dann echt gut aus. 
Unser BBQ-Sandwich offenbart sich mir erst, als wir die Plastikbox öffnen: Zwischen zwei Scheiben normalen Sandwichtoast liegt eine Art Rippchen, wovon man aber nur die Hälfte essen kann, der Rest sind Knochen und pures Fett. Naja! Charlie aber ist begeistert. Da am Spieltag Memorial Day ist, fliegt zum Beginn des Spiels eine 4er Staffel Kampfjets in Formation äußerst tief über das mit 29.000 Zuschauer reichlich halb volle Stadion. Zwischen jedem Inning werden dann auf einer Großbildwand mit einzelnen Zuschauern werbefinanzierte Gewinnspiele veranstaltet, da ist vom Produkpreis-schätzen bis zum Wie-gut-kennst-du-deinen-Lieblingsspieler alles dabei. Ab und an gibts dann aber auch wieder n paar patriotische Einlagen: Nach dem 7. Inning z.B. stehen alle auf und es wird die Nationalhymne gesungen. Zwischenzeitlich werden immer wieder einzelne Zuschauer auf der Leinwand gezeigt, u.a. auch Familien mit Transparenten “Our dad is in Iraq” oder aber einige uniformierte Piloten im Station, worauf sofort ein frenetischer Jubel einsetzt - als seien sie Popstars. Wow!
Nachdem die Atlanta Braves schließlich gewonnen haben machen wir uns wieder auf den Rückweg, allerdings mit einer recht ausführlichen Stadtrundfahrt durch Downtown Atlanta. Mich interessieren vor allem die immer noch sichtbaren Schäden des erst vor zwei Monaten hier durchgezogenen Tornados.





Später am Abend mache ich mich dann nochmal auf in einen Wal Mart Superstore. Ich mach das allerdings immer nur in langen Hosen, egal wie warm es außerhalb des klimatisten Haus/Autos auch ist, denn da drin ist’s immer verdammt frisch. Hier gibts dann ganz wie im Klischee auch ALLES: Munition für die Flinte daheim, neue Autoreifen, Jeans aller Größen, Gartenmöbel, Frischfisch oder doch lieber ein neues Bankkonto? Ich kauf mir hier unter vielem Anderen noch ein Prepaid-Handy für $30. Allerdings nervt mich dann doch, dass ich hier extrem nach jeder Kleinigkeit suchen muss. Wenn ich nicht grad verschiedenste Dinge brauche, dann muss ich hier nicht unbedingt wieder her. Positiv dagegen in allen Supermärkten hier ist allerdings das Extra-Personal, dass einem den Einkauf gleich in unzählige Plastikbeutel verstaut. Meistens Farbige.
Published by thomas at Mon, 2008-May-26
in usa.
Mein Trip nach Atlanta beginnt mit dem Klingeln des Weckers um 03:15 Uhr. Die Fahrt zum Flughafen klappt bestens und ich kann noch einmal ein paar Stunden dösen. Eingecheckt und Koffer aufgegeben habe ich dann in ca. 20 min - QuickCheckIn sei dank. Jetzt habe ich noch gute 3h Zeit, in denen ich noch schnell mein Euro-Bargeld auf der Bank einzahle und mir den Rest der Zeit mit dem Beobachten der Fliegerabfertigung verbringe - das komplette Programm vom Landen einer Maschine bis zum erneuten Boarding der Passagiere bekomm ich hier geboten. Ständig kommen dabei Durchsagen, die Passiere für die verschiedenen Maschinen in alle Welt aufrufen. Statt Wehmut bin ich voller Fernweh…
Als ich dann endlich an Board kann und auf meinem Fensterplatz sitze, staune ich nicht schlecht als die Stewardess verkündet boarding complete - obwohl der Flieger grad mal zu 2/3 voll ist.
Ich hab daher den anderen meines Zweierplatzes neben mir frei, auch noch nachdem das wilde Tauschen der Passagiere nun fertig ist. Laut Durchsage des Piloten wird der Flug auch noch eine knappe Stunde schneller sein als geplant, also nur reichlich 9h. Mittags gibt es Tortellini mit Käsesoße, eigentlich ganz lecker, das Ganze mit Blick auf ein sonniges Nordirland. 
Nachdem wir in Atlanta gelandet sind, steht die immigration auf dem Plan. Mein farbiger Beamter heißt Mr. White, klappt aber alles problemlos. Da heute Sonntag ist, bin ich auch schon nach 10min da durch. Nachdem ich dann mein aufgegebenes Gepäck wieder habe, gebe ich es auch schonwieder ab. Da der Flughafen in Atlanta mit über 1,3km Länge der größte Passagierflughafen der Welt ist, gibt es hier eine eigene UBahn, mit der man normalerweise zum Ausgang fährt - und da wird das Gepäck eben getrennt vom Besitzer hin transportiert. Am Ausgang schnappe ich mir dann wieder meine Koffer, dann gehts damit zum Schalter von National - hier bekomm’ ich meinen Mietwagen, zumindest den Papierkram dafür. Die Autos stehen etwas außerhalb, den eigenen Bus dafür finde ich erst beim zweiten Versuch und einigen Schweißtropfen später. Im Gegensatz zum Flieger, wo langärmlich grad so noch warm genug war, herrscht hier außerhalb des Terminalgebäudes eine ziemliche Wärme: 28°C. Die Mietwagen hier sind alle unverschlossen, Schlüssel steckt. Man sucht sich einfach einen seiner gebuchten Klasse aus, steigt ein, und fährt zum Ausgang. Hier sitzt nochmal Einer in einer Pforte der nochmal etwas Papierkram erledigt, dann bin ich auch schon raus hier. Ich hab mir übrigens einen PT Cruiser in weinrot geschnappt. Jetzt habe ich nochmal ca. 45min Fahrt bis zu meinem neuen Zuhause vor mir. Einmal bin ich wie durch Zauberhand grad auf der falschen Ausfahrt und es dauert ein paar Wendemanöver, bis ich die richtige Auffahrt wiederfinde. Gegen 18.15 Uhr Ortszeit lern ich dann Charlie kennen, den Hausherren. Er (42) ist zwar verheiratet, seine Frau Allyson lebt aber nicht mit im Haus. Später kommt Allyson dann aber noch vorbei und wir gehen erstmal noch zum Mexikaner essen.
Das Haus ist ausreichend groß, im Kellerapartment lebt noch Marc, den ich heute Früh gerade kennenlerne als ich diese Zeilen schreibe : Er kommt schnaufend mit einem Wäschesack auf dem Rücken durch den Keller nach oben getrottet. Dass er so außer Puste ist, resultiert wohl aus seiner äußerst üppigen Körpermasse. 
In den oberen beiden Stockwerken leben damit nur Charlie, Ich und Labarron, den ich gestern Abend nach dem Mexikaner nochmal kurz kennen gelernt habe. Da hatte er grad Feierabend, nach dem letzten seiner zwei Jobs. Dann kam bei mir nach etwa 24h auf den Beinen die Müdigkeit wieder.



Published by thomas at Sat, 2008-May-17
in usa.
Nun habe ich endlich alles komplett. Heute kam mein Pass mit Visum nach nur 3 Tagen.
Das muss nicht immer so schnell gehen. Im Vorfeld habe ich da Auskünfte von 2 Tage über eine Woche bishin zu 11 Tagen bei einem Kommilitonen gehört. Da ich meinen Flug schon seit einigen Tagen gebucht habe, hätte es bei mir keinesfalls länger als 9 Tagen dauern dürfen. Ex post betrachtet hätte ich es damit auch noch pünktlich zu meinem Vertragsbeginn am 19.05. in die Staaten schaffen können. Theoretisch zumindest, praktisch will ich jedoch noch wenigstens zwei Tage zwischen Ankunft und Arbeitsbeginn haben, um mich an die neue Zeit gewöhnen zu können. Daher fliege ich am Sonntag (25.05.) und werde am folgenden Mittwoch meinen ersten Arbeitstag haben.